Digitale Bildung scheitert selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass niemand sie im Alltag betreibt. Deshalb baue ich nur, was ich selbst im Unterricht einsetze und warte.
01 / Der Makerspace
An meiner Schule habe ich einen Makerspace aufgebaut. Die Idee ist einfach: Schülerinnen und Schüler sollen erleben, wie aus einer Idee ein Gegenstand wird, den sie in der Hand halten. Dafür braucht es keinen Hightech-Raum, sondern einen klaren Ablauf, den jede Klasse wiederholen kann.
- Idee und Skizze auf Papier, mit Maßen
- Konstruktion im CAD, zum Beispiel mit Fusion 360
- Prüfen und Reparieren des Modells, etwa mit Meshmixer
- Slicing mit Cura: Schichthöhe, Füllung, Stützstrukturen
- Druck und Nachbearbeitung, danach Bewertung: Passt es? Hält es?
Der wichtigste Lerneffekt passiert beim zweiten Druck. Wer einmal erlebt hat, dass ein Teil nicht passt, misst beim nächsten Mal genauer. Fehler werden sichtbar und damit besprechbar.
02 / Vom Spiel zum Druck
Für jüngere Lernende ist ein vollwertiges CAD-Programm oft zu viel. Deshalb habe ich das School 3D Studio entwickelt: eine Kreativplattform im Browser, in der Modelle für eigene Spiele entstehen. Dasselbe Modell lässt sich als STL ausgeben und drucken. Aus der Spielfigur wird ein Gegenstand.
03 / Warum KI lokal laufen muss
KI im Unterricht wirft sofort die Datenschutzfrage auf. Kommerzielle Chatbots sind an Schulen oft nicht zulässig, weil Eingaben auf fremden Servern landen. Meine Antwort: Die sensiblen Teile laufen auf eigener Infrastruktur.
- Lokale Sprachmodelle mit Ollama für Aufgaben, die den Server nicht verlassen sollen
- Eigene Wissensbasis mit einer Vektordatenbank (Qdrant): Die KI antwortet aus dem Unterrichtsmaterial, nicht aus dem Internet
- Pseudonymisierung mit n8n: Namen und Merkmale werden ersetzt, bevor eine Anfrage ein externes Modell erreicht
- Kein Login für Schüler, keine Profile, keine gespeicherten Verläufe
So entstand der KI-Tutor „Rocky“, der im Informatik- und Chemieunterricht im Einsatz ist. Schülerinnen und Schüler stellen ihm Fragen, die sie im Plenum nicht stellen würden. Das allein verändert den Unterricht.
04 / Was ich gelernt habe
- Ein Ablauf, den Lernende wiederholen können, ist mehr wert als das beste Gerät.
- Datenschutz gehört in die Architektur, nicht in eine Einverständniserklärung.
- Selbst gehostet heißt: Updates und Fehler sind eigene Verantwortung. Das muss man einplanen.
- Bei vielen gleichzeitigen Nutzern werden Kosten, Wartezeiten und Limits spürbar. Skalierung ist die nächste Aufgabe.
- Dokumentation ist kein Beiwerk. Ohne Übergaben und Prüfprotokolle kann niemand ein Projekt weiterführen.
05 / Übertragbar
Was in der Schule funktioniert, funktioniert auch in anderen Ausbildungseinrichtungen: klare Abläufe, eigene Infrastruktur für sensible Daten, 3D-Modelle als Lernobjekte und Simulation dort, wo die Realität zu teuer, zu gefährlich oder zu selten ist.